Ich habe diesen Beitrag in meinen Gedanken schon sehr oft geschrieben. Viele unterschiedliche Formulierung hatte ich im Kopf.

Viele Skrupel, ob ich dies veröffentlichen sollte oder nicht.
Ist es zu privat? Sind es zu viele Informationen? Trete ich dadurch jemandem zu nahe?

Ich habe mich entschieden, ich tue es! Da aber etwas Zeit vergangen ist, wird es nun eine deutlich entschärftere Version…. Aber ich möchte Euch nicht vorenthalten, warum sich bei mir einiges ändert.

Das Ende der Fotografie?
Viele von Euch kennen mich privat oder folgen mir auf Facebook und wissen dadurch, dass mein Arbeitgeber Insolvent ist und mittlerweile geschlossen hat. Zwei Filialen konnten inklusive Personal verkauft werden und die drei größten Filialen leider nicht. Als dies klar war, wurden die restlichen Mitarbeiter von der Arbeitsleistung befreit.

10 Jahre!
Mir haben am Tag der Freistellung 14 Tage für mein 10 Jähriges gefehlt, am Tag meines 10 Jährigen habe ich meine schriftliche Kündigung erhalten.

Insolvenz…
Es war ein herber Schlag! Ich bin damals mit 18 Jahren von meiner Heimat, dem schönem Möhnesee, nach Mainz gezogen um meine Ausbildung zur Fotografin zu beginnen. Und ich habe so viel erlebt! Nach meiner Ausbildung wurde ich übernommen und hatte relativ bald die Chance ein kleines Studio in einer leitenden Position zu übernehmen. Kurz darauf durfte ich ein etwas größeres Studio führen und die letzten 4 Jahre lief das Studio der Hauptfiliale Wiesbaden unter meiner Leitung. 104 Jahre Firmengeschichte sind zu Ende.
10 Jahre meiner Vergangenheit wirken da sehr klein gegen, aber es ist nun mal der Großteil meines Berufslebens.
Es war mein größter und längster Wunsch, als Fotografin in einem großem Unternehmen zu arbeiten.

Die letzten drei Monate waren eine schwere Zeit. Die Personalbesetzung wurde immer dünner und zum Schluss hielt ich meine Abteilung fast allein am laufen. Täglich musste man sich vor Kunden rechtfertigen, die Situation immer wieder erklären, den Zorn der Kunden einfangen und dass, wo einem selbst nur die Fragen plagten, wie geht es für mich weiter? Bekomme ich überhaupt Gehalt und kann meine Miete zahlen? Ist es morgen schon zu Ende? Oder zieht es sich noch zwei Jahre? Oder haben wir eine Chance, packen wir es? Werden wir aufgekauft und es geht normal weiter? Wie soll es für mich weiter gehen? Es gab viele Interessenten die uns aufkaufen wollten, aber dennoch gingen wir leer aus. Diese Zeit hat sehr an den Nerven gezerrt, an meinem Selbstwertgefühl und an meinem Selbstbewusstsein. Ich bin froh, dass es sich dieser Kampf, diese Qual auf drei Monate beschränkt hat und nicht länger.

Ich wurde dazu angeleitet, das Studio so zu führen, als wäre es mein eigenes. Das habe ich auch getan, deswegen blutete mein Herz auch so sehr. Mein Studio war ausgerüstet mit der neusten Technik, vielen tollen Accessoires, einem Bett, einer Badewanne, einer separaten Schminkecke mit Garderobe, einer Terrasse! Wir hatten immer tolle Teams, es war eher immer eine kleine Familie, es war einfach eine schöne Zeit und nun ist sie zu Ende.

Warum?
Tja, das warum fragen wir uns die ganze Zeit. Das Fotostudio lief im allgemeinen sehr gut, im Einzelhandel ist es sowieso sehr schwer geworden und wird von Jahr zu Jahr schwerer. In der Kameratechnik entwickelt sich kaum etwas Neues, da wir die Technik schon gut ausgereizt haben und kleine Knipsen werden kaum benötigt, da wir ja heutzutage auch unser Handy für Urlaubsbilder verwenden können. Bilder werden kaum noch entwickelt, denn auf dem PC sind die doch auch super aufgehoben, also brauchen wir auch kaum noch Alben oder Rahmen. Dazu noch ein paar falsche Entscheidungen getroffen und dann haben wir den Salat….

Und nu?
Wird es Zeit für einen Neuanfang!
Ich muss gestehen, schon deutlich vor der Insolvenzmeldung hat es mir in den Fingern gejuckt, etwas Neues anzufangen. Ich habe mich aber nicht getraut.
Das war nun der nötige Tritt in meinen Allerwertesten!

Was Neues?
Ja! Ich möchte nicht mehr Berufsfotografin sein! SCHOCK! Aber ich muss es erklären: In einem Fotostudio sind der Kreativität auch Grenzen gesetzt. Das Hauptgeschäft wird bestimmt durch Pass- und Bewerbungsbilder, danach kommen noch klassische Portraits. Das Hochzeitsgeschäft hat sich von den Fotostudios sehr abgewendet, da ein Brautpaar lieber von einer bestimmten Person durch den Tag begleitet wird, als von einem anonym wirkendem Geschäft.

Ich habe bereits vor längerem gemerkt, dass mir die Projekte, die ich mit Freunden und Bekannten plane und privat umsetze, mehr Freude bereiten. Deswegen diese Homepage, deswegen mein Blog. Ich hätte gerne die Zeit um mehr Projekte umzusetzen und mit Euch zu teilen.

Selbstständigkeit?
Nein! Ich schließe nicht aus, dass ich das vielleicht irgendwann sein werde, immerhin habe ich wahrscheinlich noch 40 Jahre Berufsleben vor mir, aber im Moment nicht. Denn eine Selbstständigkeit bedeutet sehr viel Arbeit, Energie und Zeit. Die habe ich, aber die habe ich dann nicht mehr für meine freien Projekte. Es wird wieder ein großer Druck aufgebaut, ein gewisses Pensum an Aufträgen einzuhalten, um die Miete und ähnliches zahlen zu können. Das nimmt mir wieder den Spaß und den Raum für Kreativität. Dazu bin ich nicht bereit.

 Stattdessen?
In den letzten Jahren habe ich mich neben meiner Tätigkeit als Fotografin und Studioleitung auch um das Marketing für unsere Studios gekümmert, sei es Social Media oder die Printwerbung. Dieser Bereich hat mir extrem viel Spaß gemacht und deswegen habe ich mich während des Insolvenzverfahrens um eine Stelle als Marketing Assistentin bei diversen Unternehmen beworben. Was natürlich nicht so einfach war, wenn es so viele studierte Kräfte in dem Bereich gibt! Aber dann hatte ich einen Sechser im Lotto!
Ich werde nun zukünftig im Marketing für SIGMA Deutschland GmbH mitwirken. Besser hätte es mich nicht treffen können! Wer SIGMA noch nicht kennt, dies ist ein großer Objektivhersteller aus Japan, der Objektive für mehrere große Kamerahersteller anbietet, genauso wie eigene Kameras. So habe ich die Möglichkeit zukünftig endlich im Marketing zu arbeiten und trotzdem wird das Thema Fotografie mich weiterhin begleiten!

Und dann werde ich meine freie Zeit dazu nutzen können meine Ideen in Projekten umzusetzen! Und auf diese beiden Schritte freue ich mich besonders! Ich werde Euch auf diese neue Reise mitnehmen und freue mich auf jeden einzelnen, der mich unterstützt!P.S.

Nebenberuflich habe ich bereits angefangen bei der Knipsakademie zu arbeiten, dort gebe ich ein bis zweimal im Monat Fotokurse.
Vielleicht treffe ich ja jemanden von Euch in meinem Kurs?Nun nehme ich Abschied von den letzten 10 Jahren und nehme Euch mit durch ein paar Erinnerungen…. Ich habe sehr viele Freunde hinzugewonnen und wünsche jedem einzelnen meiner Kollegen, dass er sein neues Glück findet! Danke für die schönen 10 Jahre!

Auf eine neue großartige Zeit!

Eure Antonia